Vor Kurzem wollten wir wissen, was den Passanten beim Bahnhof Wiedikon zu «5.28» einfällt. Von den zwanzig Befragten wussten zwei die richtige Antwort. Die übrigen Leute waren entweder ortsunkundig, kamen aus Thalwil, Horgen und anderen Gemeinden im Zürcher Ober- und Unterland. Oder sie antworteten mit Schulterzucken und einem scheuen «Sollte ich das wissen?»
«Aber ja! Davon müssen Sie gehört haben», spielten wir den Ball zurück und erklärten, dass «5.28» die Chiffre für das Kulturmarkt-Fest sei, das wir mit Jung und Alt aus dem Zürcher Kreis 3 steigen lassen würden. Es beginne bei Sonnenaufgang des längsten Tages im Jahr, also am 20. Juni um – eben – 5.28 Uhr. Das sei aber früh für einen Festauftakt, meinten die Leute in einem Tonfall, der Neugierde signalisierte – ganz nach dem Motto «aussergewöhnlich gleich interessant». Ja, und so kamen wir ins Schwärmen.
Von Reto Zanettin
Lauschen. Den Vögeln, der Musik, den Gedichten
Die Ankündigung des vogelkundlichen Quartierrundgang sorgte bei den meisten für gespitze Ohren. Zu diesem Rundgang brächen wir, die Early Birds aus dem Kreis 3, um 5.45 Uhr auf. Andrea Funk von Birdlife Zürich werde uns auf Vogelstimmen aufmerksam machen, die wir im Alltag kaum wahrnähmen und auseinander hielten, geschweige denn einer Vogelart zuordnen könnten. Oder erkennten Sie, liebe Leserin, lieber Leser, Amseln, Spatzen, Hausrotschwänze, Kohlmeisen oder Türkentauben an ihrem Gezwitscher? Frühmorgens dringt der Gesang unserer gefiederten Quartierbewohner frei von Bau- und Verkehrslärm in die Gehörgänge. Und von dort aus direkt ins Herz. Die klare Luft und das gleissende Licht der über dem Horizont aufsteigenden Sonne tragen das Ihre zum ersten Sommererlebnis des Jahres 2015 bei.
Wer diese Szenerie lieber im Kulturmarkt an der Aemtlerstrasse 23 auf sich wirken lassen will, kann mit der Morgenlesung von Wolfgang Beuschel in den Tag einsteigen. Der Leiter des Fachbereichs «Kulturschaffende» lädt zwischen 5.30 und 7 Uhr zum feingeistigen Lauschen unter die Arkaden des Kulturmarktes ein. Klingt doch friedlich, meinen Sie nicht auch? Mehr noch: Ab 7 Uhr geht es auch an der Aemtlerstrasse 23 musikalisch zu und her: Oleg Lips, einer unserer Kulturschaffenden, stösst mit seinem Akkordeon zu Wolfgang Beuschel. Die beiden Profi-Künstler werden sich mit dem Vogelgezwitscher nachempfundener Musik und Gedichten abwechseln. Das Motto lautet «VogelMusikGedichte».
Das Fest-Programm. Herz, was willst du mehr!
Glanzlichter an diesem Tag sind auch der Flohmarkt und der Brunch, Kindergeschichten, das Tête-à-Tête im kleinsten Theater der Welt, Liebeslieder aus aller Herren Ländern gesungen vom «RotaChor», Musik der Jugendlichen vom Schulhaus «Zurlinden», feuriger Flamenco mit der Tanzschule «baile flamenco» … bei diesem Programm kam bei den Befragten Heiterkeit auf. Ihre Minen hellten sich trotz des garstigen Wetters sichtbar auf. Da müsse man offenbar dabei sein, meinte ein Teil der Passanten. Wir halten es wie immer: Wer will kommen, ist willkommen. Ganz besonders Sie, liebe Leserinnen und Leser.

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