Eine Punkerin, die das grosse Geschäft macht, ein Schlüssel in der Kanalisation, viel zu hohe Absätze …
Die Fortsetzung unserer skurril-witzigen Instant-Geschichten. Viel Vergnügen! Wie diese entstanden sind, können Sie hier nachlesen.
Texte von Alexandra Dietrich, Nicole Frank, Susanne Kolb, Borys Liechti, June Thon, Annette Wartmann, Marianne Winkelmann
Geschichte Nr. 5
Sind Sie sicher, Herr Wachtmeister, ist mein Schlüssel wirklich nicht zu finden in der Kanalisation? Ja, Frau Henkel, nichts zu machen. Da machte sich die gute Frau auf dem Heimweg und stocherte mit einem Zahnstocher im Schlüsselloch herum, gebrochen und niedergeschlagen greift sie in die Tasche und sticht sich an der SICHERHEITSNADEL.
Laut fluchend, setzt sich Frau Henkel auf die Treppe und überlegt, wie sie nun in ihre Wohnung hineinkommen soll. Es ist kurz vor Mitternacht. Frau Henkel wird nervös. Okay, wenn ich jetzt ganz schnell runtergehe und drei Strassen Richtung Stadtmitte renne, kann ich’s noch vor Mitternacht zum Schlüsselnotdienst schaffen. Die schliessen um zwölf. Mit meinem Neffen haben wir früher immer Wettrennen mit der STOPPUHR gemacht, wer schneller in der Stadtmitte ankommt.
Bald aber merkte Frau Henkel, dass sie mit diesen hohen, sexy Absätzen keine zehn Meter rennen würde! Und noch weniger mit dem Champagner, den sie von dem Tête-à-tête mit Robert intus hatte … Sie zog gerade die Schuhe aus, als ein grosser, dicker HUND um die Ecke getrottet kam. Unter der Strassenlampe sah er noch gefährlicher aus, obschon er dick war. Dick, aber nicht gemütlich. Der Hund blieb sofort stehen als er Frau Henkel erblickte. Diese rot angezogene Gestalt mache ihn aggressiv!
Geschichte Nr. 6
Meine Mutter war früher als Näherin angestellt. ich liebte es als Kind, wenn sie mir neue Kleidungsstücke aus vielen verschiedenfarbigen Stoffen nähte. ich durfte mir immer aussuchen, was für ein Teil es werden sollte. Manchmal kam es vor, dass Mama noch nicht fertig genäht hat, es aber schon spätabends war. Weil ich keine Lust hatte, noch länger auf mein Wunschkleidungsstück zu warten, schlich ich mich frühmorgens in ihren Atelierraum, nahm das halbfertige Stück und setzte es mit eine paar SICHERHEITSNADELN zusammen. Mama merkte das erst, als ich schon in der Schule war.
Das war der Beginn meiner Karriere zum Punk! Jahre später nämlich, ich war in der Zwischenzeit zum drahtig langen Teenager herangewachsen, nähte ich mir immer noch meine Kleider selbst, aber diesmal waren es keine Rosa-Kleidchen mehr, sondern schwarze Punktrachten. Als Witz hatte ich mir angewöhnt, mit beim Nähen jeweils die ZEIT ZU STOPPEN. So gab es dann das Zwanzigminuten-Kleid oder die Fünfstunden-Hose oder den Zehntage-Mantel. Und genau mit diesem Mantel machte ich Karriere!
Es dauerte nicht lange, da wollten viele Leute aus meiner Szene genau auch diesen Zehntage-Mantel. Er wurde dann tatsächlich auch produziert und in gängigen Punkläden verkauft. Zum Leben eines Punks gehören nicht nur spezielle Kleider und bunte Haare, sondern auch mindestens ein HUND. Es war nahezu Pflicht in diesen Kreisen. Und so legte ich mir auch eine Schäferhündin zu, die mich fortan begleitete. Trotz meiner Karriere als Zehntagemantel-Erfinder blieb ich meinem Motto „Raus auf die Strasse“ treu und hing die meiste Zeit in der Fussgängerzone bei meinen Leuten. Die Hunde konnten zusammen spielen und wir feierten das Leben.
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