Eine gerissene Hose, Che Guevara, Lassie und ein Firmenimperium, gegründet auf Sicherheitsnadeln …
Die Fortsetzung unserer skurril-witzigen Instant-Geschichten. Viel Vergnügen! Wie diese entstanden sind, können Sie hier nachlesen.
Texte von Alexandra Dietrich, Nicole Frank, Susanne Kolb, Borys Liechti, June Thon, Annette Wartmann, Marianne Winkelmann
Geschichte Nr. 3
Ich musste zu einem wichtigen Termin. Es ging um sehr viel Geld. Dazu sollte mein äusseres Erscheinen dementsprechend sein. Ich steckte mich, entgegen meinen sonstigen Gewohnheiten, in einen Anzug. Dazu ein schönes Blüschen. Ich war parat für den Termin, setzte mich ins Auto und fuhr los. Plötzlich gab es ein seltsames Geräusch und meine Hose bekam einen Riss. Auf Rat meiner Oma trug ich immer ein kleines Nähset bei mir, darin fand ich auch eine SICHERHEITSNADEL, mit der ich meinen Riss wieder zustecken konnte.
Zum Glück hatte ich den Rat meiner Oma befolgt. So kam ich tiptop zu meinem Termin. Es war ein Vorstellungsgespräch. Mein zukünftiger Chef stellte die STOPPUHR auf eine Minute. In dieser knappen Zeit musste ich meine Persönlichkeit vorstellen. Zum Glück hatte ich an einem anderen Gespräch schon einmal diese Frage. Welche berühmte Persönlichkeit würden Sie gern treffen, sie darf auch schon tot sein?
Damals hatte ich Che Guevara gesagt und das war bei der Sicherheitsfirma gar nicht gut angekommen. So ein Fehler würde mir nicht nochmals passieren. Spontan sollte ich aber auch noch sein. Ich sagte: Lassie. Die Dame, die mich interviewte, runzelte die Stirn, als habe sie Kopfweh. „Sie möchten einen HUND treffen?“ fragte sie nach. „Einen Hund aus dem Fernsehen.“ Ich nickte. „Ja natürlich“, sagte ich. So ein Hund ist freundlich, hört gut zu und zettelt keine Revolutionen an. Ich wurde nicht zu einem zweiten Gespräch eingeladen.
Geschichte Nr. 4
Egon hatte sein Firmenimperium auf SICHERHEITSNADELN gegründet. Nicht dass er diese erfunden hätte, nein, aber es stellte sich heraus, dass die Leute Sicherheitsnadeln in Neonfarben wollten und bereit waren, jeden Preis dafür zu zahlen. Dies hatte er früh erkannt und die Idee patentieren lassen. Seither war die „Securacus GmbH“ gewachsen und florierte nach 20 Jahren derart, dass Egon gar nicht mehr wusste, was er mit all dem vielen Geld anfangen sollte.
Er war eher geizig und hatte sich auch schon als Schwarzfahrer erwischen lassen. „Aber nichtsdestotrotz, jetzt muss ich was machen mit dem Geld.“ Er setzte sich also hin, nahm seine STOPPUHR hervor, denn Geld ist Zeit, und da kam ihm die Idee: Ich fotografiere mein Geld, ich mache Kunst mit Geld. Er reihte es in immer neuen Formen nebeneinander, wechselte es bei der Bank und holte seine Malkasten.
Er hatte eine grosse Staffelei gekauft, zwei auf eineinhalb Meter, und war schon ganz hibbelig zu beginnen. er begann mit seinen Ölfarben auf der weissen Leinwand zu malen. Einfach aus dem Bauch heraus. Ein paar Striche da, ein paar Flecken dort. Nun sollten schon mal ein paar Notenscheine aufs Bild. Er holte die Tasche mit den Unmengen von Geldscheinen aus dem Wohnzimmer, sein HUND hinterher, neugierig, was Herrchen wohl vorhatte. Er setzte sich auf einen Stuhl und faltete ein paar Geldscheine zu geometrischen Formen. Als es so an die zehn Formen waren, nahm er Leim und ging rüber zur Leinwand.
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